Die bürokratischen Hürden sind genommen und wir warten voller Vorfreude darauf, dass unsere Baila läufig wird. Wir stehen am Anfang unserer Reise als Züchter und die Aufregung ist riesig. Doch während Baila auf der Nestschaukel im Garten sitzt und in die Weite schaut, arbeiten unsere Köpfe im Hintergrund auf Hochtouren.
Mit der Planung unseres allerersten Wurfes ist nämlich eine Aufgabe auf uns zugekommen, auf die einem kein Lehrbuch der Welt richtig vorbereitet: Das Absagen.
Obwohl noch gar keine Welpen geboren sind, erreichen uns bereits jetzt viele liebe und detaillierte Bewerbungen. Das rührt uns ungemein und zeigt uns, wie sehr sich die Menschen auf ein neues Familienmitglied freuen. Doch mit jeder Nachricht wächst auch unsere Verantwortung. Und mit ihr die Erkenntnis, dass wir nicht jede Anfrage mit einem „Ja“ beantworten können.
Wenn das Herz „Ja“ sagt, aber der Kopf rotiert
Wir mussten in den letzten Wochen bereits die ersten Absagen erteilen. Das war für uns als Züchter-Neulinge ein unheimlich schwerer Schritt, der uns einige schlaflose Nächte gekostet hat. Unser Herz würde am liebsten zu jedem freundlichen Interessenten „Ja“ sagen und die Vorfreude teilen.
Doch im Kopf kreisen gleichzeitig ganz andere Sorgen und Fragen, die uns niemand abnehmen kann: Finden wir am Ende wirklich für jeden einzelnen Welpen den absolut besten Platz? Und vor allem: Wie viele Interessenten setzt man im Vorfeld eigentlich auf die Warteliste?
Das ist ein riesiger Spagat zwischen Hoffen, Planen und Bangen. Schliesslich hat man vor der Geburt noch überhaupt keine Ahnung, wie viele Welpen es letztendlich sein werden. Werden es drei oder gar acht? Plant man mit einer zu langen Warteliste, muss man am Ende umso mehr Menschen enttäuschen, die gehofft haben. Hält man die Liste zu kurz, steht man im schlimmsten Fall ohne die passenden Familien da.
Das Bauchgefühl als wichtigster Kompass
Warum sagen wir also Menschen ab, die freundlich sind, sich Mühe geben und einem Hund ein schönes Zuhause bieten möchten? Die Antwort liegt in unserem Bauchgefühl. Als Züchter lernen wir unsere Rasse, die Elterntiere und später die Welpen extrem intensiv kennen. Wir haben eine ganz genaue Vorstellung davon, welche Dynamik, welches Energielevel und welches Umfeld ein Welpe aus unserer Zucht braucht, um glücklich zu werden.
Wenn wir absagen, bedeutet das niemals, dass die Interessenten „schlechte Hundemenschen“ sind. Es bedeutet schlicht und ergreifend, dass die Konstellation zwischen diesem spezifischen Hund und diesem Lebensumfeld in unseren Augen nicht zu einhundert Prozent passt.
Verantwortung beginnt vor der Geburt
Ein Welpe kann sich seine Familie nicht aussuchen. Er wird in eine Welt hineingeboren, in der er völlig darauf angewiesen ist, dass wir die richtigen Entscheidungen für ihn treffen. Diese Verantwortung nehmen wir verdammt ernst – und zwar ab Tag eins, noch bevor der Ultraschall die Trächtigkeit bestätigt.
Uns ist bewusst, dass eine Absage für die Interessenten enttäuschend und manchmal auch unverständlich ist. Schliesslich sieht man sich selbst schon mit dem Hund über die Wiesen rennen. Doch wir sind fest davon überzeugt: Ein ehrliches „Nein“ im Vorfeld schützt am Ende beide Seiten. Es schützt den Hund vor einem Umfeld, in dem er vielleicht nicht sein volles Potenzial entfalten kann, und es schützt die Familie vor einer Überforderung oder Enttäuschung.
Unser Versprechen an unsere zukünftigen Welpen
Züchten bedeutet für uns nicht, Welpen zu „produzieren“ und sie an die Ersten in der Warteschlange zu übergeben. Züchten bedeutet, Seelenverwandte fürs Leben zusammenzubringen. Dafür braucht es Geduld, Fingerspitzengefühl und den Mut, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.
Wenn die Welpen dann endlich da sind und wir sie in die Arme ihrer perfekten Familien übergeben dürfen, wissen wir genau: Jeder schwere Moment im Vorfeld hat sich gelohnt.
Wir werden weiterhin auf unsere Intuition hören – für unsere Baila und für das Glück unserer zukünftigen Welpen. 🐾 🐾
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